Mittwoch, 25. September 2013

Endlich wieder schreiben

Jaa, ich kann wieder einen Beitrag schreiben! :-) Heute erzähle ich euch aus der wilden Welt meines Praktikums, welches tatsächlich nur noch drei Wochen dauern wird. Und wenn mich dann jemand fragt, was ich eigentlich gemacht habe, dann kann ich voller Überzeugung sagen: Keine Ahnung!
Denn ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das hier für ein unorganisierter Haufen ist. Als ich in der Uni ankam, wusste erstmal so gut wie niemand, dass sie eine Praktikantin bekommen würden - die meisten wussten nicht einmal, dass ihr Institut überhaupt Praktikanten einstellt. So weit, so gut. Das nächste, was ich feststellen durfte: Das Projekt, für das ich eingesetzt werden sollte, ist eigentlich schon seit gut einem Jahr beendet, und im Oktober letzten Jahres wurde das Paper dazu veröffentlicht. Wer will, kann es sich angucken:
http://webplus.ecnu.edu.cn/picture/article/176/02/09/6e4ff006459fa59985caead94123/618a55f7-ee87-41ed-92d8-851c903b2c28.pdf
Als ich daraufhin den Professor, der für mich zuständig ist, fragte, was ich denn machen könnte, war die Antwort ungefähr so: "Gute Frage. Fragen Sie mal meine Kollegin. Aber gucken Sie sich unbedingt den Zoo in Shanghai an!"
Dann nahm er einen Stadtplan von Shanghai, umkringelte Sehenswürdigkeiten in verschiedenen Farben und fragte mich zum Schluss, ob ich noch was wissen wolle. Ich fragte, wie oft und wie lange ich denn an die Uni kommen solle. "Gute Frage. Das ist Ihnen überlassen!"
Und das Schicksal nahm seinen Lauf. Da besagte Kollegin noch zwei Wochen Urlaub hatte, durfte ich erstmal Paper lesen, dann war sie da, las aber meine Mails nicht, dann (nach 3 Wochen) hab ich sie endlich getroffen. Aus Ahnungslosigkeit gab sie mir die Aufgabe, das Programm, das zur Zeit mit Chinesischen Texten arbeitet, für Deutsche Texte zu adaptieren. Sie beauftragte irgendeinen Studenten mir den Source Code zu geben und mir Fragen zu beantworten. Dieser las seine Mails genau so schnell wie sie, und irgendwann hatte ich dann den Code. Auf meine Frage, ob das alles auf Mac läuft, war seine Antwort: "Das ist Java, das läuft überall!" (Da hat er ja auch Recht). Dummerweise arbeitet das Programm mit .dll-Dateien - hab ich vorher noch nie gehört, sind aber wohl so was wie ausführbare Library-Dateien unter Windows. Seine Reaktion: "Ja stimmt, das geht auf Mac nicht. Dann brauchst du doch Windows." -.-
Drei Tage später hatte ich endlich einen alten Laptop mit Katzenstickern bekommen, auf dem Windows 7 Home Basic auf Chinesisch läuft. Die Sprachumstellung dauerte noch einmal geschätzte 3 Stunden, MySQL installieren ebenfalls. Summa summarum bin ich seit ca. einer Woche dazu in der Lage, irgendetwas Produktives zu tun. Die sind hier echt unglaublich schnell. Soll heißen: Das, was ich hätte in 2 Monaten machen sollen, kann ich nun in nicht mal 4 Wochen tun. Wie ich das mit auf Chinesisch kommentiertem Code anstellen soll? Gute Frage ;-)

Abgesehen von meinem Praktikums-Desaster hatte ich aber ein fröhliches Wochenende hinter mir: Wie ein paar Leute vielleicht wissen, halten sich Jonas und Mareike ja auch gerade in China auf, und wie China ja so ein kleines Land ist, dachte ich mir, dass ich sie mal eben besuche. Da mich an der Uni niemand vermisst, hab ich mir ein langes Wochenende genommen, und bin ab nach Peking gedüst - ca. 1.400 km, das ist beinahe die Strecke von Heidelberg nach Stockholm - was glücklicherweise sehr schnell geht: Mit dem Hochgeschwindigkeitszug knapp 5 Stunden. Jep, der fährt mit 300 km/h durch die Gegend ;-)
Mit angenehmer Gesellschaft durch Jonas, Mareike, und deren Freunden Kevin und Laura, hatte ich die Gelegenheit mir noch einmal Peking in Ruhe und bei etwas angenehmeren Temeperaturen anschauen zu können: Besonders schön war der Art District, ein ziemlich großes Areal voller Galerien, Museen und kleinen Boutiquen, die vorwiegend Souvenirs und Kunst verkaufen. Neben unglaublich leckerer Schokolade gab es dort wunderschöne Fächer zu kaufen und die Werke von einem Künstler zu bestaunen, der mit schmelzendem Kupfer arbeitet (siehe Dropbox, ich habe tatsächlich neue Fotos hochgeladen!!).
Weiterhin haben wir Peking-Ente gegessen (so unglaublich lecker!!), uns massieren lassen (so unglaublich entspannend), und auf der Rückfahrt ist mir mein Kung Pao Hühnchen im Rucksack ausgelaufen (so unglaublich wiederlich). Alles im Allem war es ein tolles Wochenende!

Heute gabs dann auch was Tolles: Der Fake-Markt in Shanghai. Es gibt natürlich mehr als nur einen, aber dieser ist besonders groß und populär. Ich war dort mit Anna, einer Heidelberger Studentin aus meinem Chinesischkurs, die ein Auslandssemester in Shanghai macht, und es war wirklich unterhaltsam. Man wird von allen Seiten bequatscht, und zwar wirklich auf die hartnäckige Weise, und wenn es dir bei dem einen Laden zu teuer ist, dann gehst du zum nächsten - denn die Läden verkaufen sowieso alle das Gleiche. Handeln ist hier aber Pflicht, denn die Verkäufer nenen einen Preis, der im Durchschnitt drei- bis viermal so hoch wie der eigentliche Wert ist. Trotzdem bekommt man am Ende "echte" Ugg-Boots für 15 Euro und Longchamp-Taschen für 10. Also erstmal ordentlich Geld aus dem Fenster geschmissen :D

Theoretisch könnte ich noch unendlich viel schreiben, belasse es aber fürs erste dabei. Das nächste Update kommt schneller, versprochen!!
Chris (Gast) - 29. September, 17:42

Wow, das klingt so chaotisch, wie ich mir das von einer chinesischen Uni vorstelle. Aber immerhin hast du dich nicht überarbeitet ;) Die Chinesische Mauer sieht schon beeindruckend aus. Auch sehr lustig, dass du da ein Beatles T-Shirt anhast und ein paar Fotos später neben den Beatles in Wachs stehst ^^.

Julia (Gast) - 30. September, 00:31

Wow, dann hast du ja ein richtig lehrreiches Praktikum bald hinter dir!
Aber ist doch toll, wenn du quasi zum Urlaubmachen gezwungen wirst ;) Was hast du noch für die restlichen Wochen (?) vor?
Ich hab hier auch Leute aus Shanghai kennengelernt, die sind von Schwedens Grün und Fahrradfreundlichkeit begeistert, finden Uppsala nur ein bisschen klein :D

Luxemburgerli

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