Donnerstag, 22. August 2013

Die erste Woche

Da ich seit fast einer Woche mittlerweile in meiner Wohnung in Shanghai bin, dachte ich mir, es sei mal wieder Zeit fpr ein Update. Und da ich eigentlich gar nicht so genau weiß, wo ich da anfangen soll, gehe ich einfach mal chronologisch durch:

Samstag:
Professionelles Prokastinieren in Form von unmotiviert im Bett rumlungern. Es war zu heiß um alleine rauszugehen, und es war niemand da der mich hätte motivieren können. Außerdem hatte ich Stress mit meiner Registrierung: Wenn ein Ausländer nach China kommt, muss er sich bei der Polizei registrieren. Ich wusste leider nicht ob das Hotel das für mich gemacht hatte oder nicht - und der Typ am Telefon war das Gegenteil von hilfreich. Und da Wochenende war konnte ich auch niemanden erreichen der mir mehr Auskunft gegeben hätte.

Sonntag:
Erstes Treffen mit dem Leiter meines Praktikums, Professor Gu. Der Typ ist echt super nett und hilfsbereit! Er spricht sogar ziemlich gutes Deutsch, was ich gar nicht wusste. Ihm liegt viel mehr daran, mir Shanghai zu zeigen als an meinem Praktikum. Er hat mir auf einer Stadtkarte tausend schöne Punkte und Sehenswürdigkeiten eingezeichnet und sagte wörtlich: "Sie müssen nicht in die Uni kommen wenn Sie sich lieber Shanghai angucken wollen!" Krasser Typ :D
Die Studentin, die mir die Uni gezeigt hat, ist auch echt nett. Sie heißt Yizheng (oder so ähnlich) und ist eine der wenigen Leute im Büro, die gutes Englisch spricht - ehrlich gesagt ist sie bis jetzt die Einzige. Die anderen Studenten sind zwar auch alle echt nett, aber ihr Englisch ist eher dürftig (ungefähr so wie mein Chinesisch), und für wirkliche Unterhaltungen reicht es nicht. Also bleibt es bei Anstarren (jeder starrt mich an) und verlegen kichern, wenn ich sie was frage und sie nicht antworten können. Das führt leider dazu, dass ich mich in der Uni etwas einsam fühle, aber dazu später mehr.

Montag:
Ich habe nichts zu tun, außer mich um meine Registrierung zu kümmern. Ich rufe bei meinem Reisebüro an, bei der Deutschen Botschaft, ich fahre zur Polizei und in mein Hotel in Shanghai. Diese Aktionen haben den ganzen Tag erfüllt. Das Ergebnis: Ich bekomme vom Hotel einen lustigen Wisch, der mir bestätigt dass die mich registriert haben. Wäre ich da einfach früher hingegangen und hätte einfach danach gefragt! Das hätte mir eine Menge Arbeit und Panik erspart... Wirklich registriert bin ich aber immer noch nicht, denn ich habe meine Adresse geändert. Um mich in meiner Wohnung zu registrieren, bräuchte ich jedoch einen Mietvertrag - den ich nicht habe und auch nicht bekommen kann - und deshalb kann ich mich hier nicht registrieren. Hab auf Anraten meines Mitbewohners mal bei der Uni gefragt, ob die mich über meine Arbeitsstelle registrieren können, aber da dort noch Ferien sind, bekomme ich die Antwort in frühestens einer Woche. Naja, ich habe einen Wisch mit einem roten Stempel, das reicht mir fürs erste :D

Dienstag:
Mein Mitbewohner muss nicht arbeiten und zeigt mir die Gegend. Er heißt Nick und hat einen etwas dubiosen Job. Als ich ihn gefragt habe, was genau er macht, sagte er: "Ich betrinke mich professionell mit reichen Geldsäcken." Klingt nach einem Traumjob ;-)
Während er mir ein paar Läden zeigt, begrüßt er ungefähr jeden den wir sehen, umarmt die Hälfte und quatscht mit ihnen. Sein Handy klingelt unablässig, und dann verschwindet er für 5 Minuten, um irgendwelche Leute anzurufen und irgendwelche Gefallen einzufordern. Dabei raucht er wie ein Schlot. Interessanter Mensch, aber ich will ihn nicht besser kennenlernen.
Am Abend hab ich dann von Yizheng o.ä. einen Haufen Paper geschickt bekommen, die ich alle lesen soll, um mich einzuarbeiten. Langweilig und kompliziert zugleich, denn von dem Gelesenen verstehe ich ca. die Hälfte und schlafe dabei ein. Naja, Einarbeiten muss sein...

Mittwoch:
Zum ersten Mal komme ich zum "Arbeiten" in die Uni. Die Leute in meinem Büro (hey, ich hab nen eigenen Schreibtisch!) nehmen mich zum Mittagessen mit in die Kantine, faseln auf Chinesisch herum und fangen dann urplötzlich an zu lachen. Keine Ahnung was da abgeht. Auf meine Fragen antworten sie mit 3-Wort-Sätzen und gucken mich entschuldigend an. Dafür, dass die alle seit ihrem 11. Lebensjahr Englisch lernen und mittlerweile um die 30 sind, ist ihr Englisch echt grottig. Aber ich will mich nicht beklagen: Schließlich bin ich hier um Chinesisch zu lernen und nicht um ihnen Englisch beizubringen ;-) Es macht nur einfach die Konversation schwer und ich kann die Leute nicht wirklich kennenlernen. Schade. Vielleicht ändert sich das ja, wenn das Semester beginnt - dann kommen ein paar mehr Leute.

Donnerstag:
Ist heute. :D Ich wollte eigentlich in die Uni, aber Paper lesen kann ich auch zuhause. Und da es wirklich niemanden interessiert, ob ich in die Uni komme oder nicht, bin ich einfach daheim geblieben, war in Ruhe einkaufen und hab noch ein paar unverständliche Sachen gelesen ;-) Außerdem ist meine externe Festplatte voller Filme die ich noch nie gesehen habe^^

Freitag:
Ist morgen. Morgen werde ich wirklich in die Uni gehen, habs mir fest vorgenommen! Am Wochenende will ich dann endlich mal was Touristisches machen - vielleicht gehe ich in den Zirkus oder gucke mir den Buddha-Tempel an. Hier direkt bei mir um die Ecke gibts außerdem nen Freizeitpark, aber da warte ich lieber bis ich jemanden finde, den ich da hinschlepppen kann. Über die Achterbahn in dem Park habe ich mal ne Doku auf NTV gesehen, und das Teil ist echt krass. Also werde sie auf keinen Fall ausprobieren ;-)

Insgesamt würde ich sagen, die erste Woche war relativ ruhig, aber trotzdem fühle ich mich noch nicht so richtig wohl. Ich hätte hier einfach gern jemanden, mit dem ich reden kann, aber meine Mitbewohner arbeiten den ganzen Tag und die Leute in der Uni... Naja, hab ich ja schon beschrieben. Trotzdem lerne ich mit jedem Tag das Leben und die Kultur hier ein bisschen besser kennen, und das ist schon wirklich interessant. Über die alltäglichen Tücken, denen ich hier so begegne (z.B. Wäsche waschen oder Einkaufen) berichte ich das nächste Mal. Denn dann wirds echt lustig!
Liebe Grüße,
Luxemburgerli
Sabrina (Gast) - 22. August, 21:31

Schön von dir zu lesen.
Bin bissle neidisch@einfach chillig zu Hause bleiben und Filme reinzwirbeln ...
Klingt aber ansonsten wie jeder Start in einer fremden Umgebung oder?

Luxemburgerli - 23. August, 07:16

Jaa, stimmt schon. Hab ich bloß noch nicht so oft erlebt ;-)
Sabrina (Gast) - 24. August, 08:47

Falls du es auf facebook verpasst ;-)


Jonas (Gast) - 25. August, 16:34

Rote Stempel sind wichtig! Wenn du denen mit einem blauen kommst, dann ist er direkt ungültig. Das könnte die Merkel persönlich stempeln, wenn er nicht rot ist, dann gilt's nicht.

Ansonsten muss ich der Sabrina recht geben. Alleine in einem fremden Land - du wirst dich ganz bestimmt noch gut einleben, da bin ich sicher :) Und wenn ich dann am Ende bei dir ankomme, dann bist DU Profi und kannst MICH herumführen ;)

Bastian B. - 27. August, 01:56

Ja, natürlich muss der Stempel ROT sein ;)
Als beinaher ehemaliger DDR-Bürger kommt mit das irgendwie bekannt vor...

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