Aus dem Tal der Hitze
Stellt euch vor, ihr habt 41 Grad Celsius. Jetzt stellt euch vor, ihr befindet euch an einem Ort mit ca. 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Und nun stellt euch vor, ihr seid nicht allein an diesem Ort, sondern noch mit 300 anderen Touristen.
Dann wisst ihr, wo ich bin. ;-)
Um es zusammenzufassen: Die letzten Tage waren heiß, sehr heiß. Mit unserem Touri-Bus düsten wir von einer Sehenswürdigkeit zur Nächsten, und jedes Mal wenn wir aus dem angenehm heruntergekülten Bus ausstiegen, liefen wir gegen eine Hitzewand, die man förmlich sehen konnte. Der Schweiß floss in Strömen, und es gab nichts was wir hätten tun können, außer sich einen Fächer zu kaufen und den Bus herbeizusehen. Die meisten Chinesen rennen bei diesen Temperaturen übrigens mit Regen-, ähm Verzeihung, ich meine Sonnenschirm durch die Gegend. Zu Anfang hielt ich das für skurril und übertrieben, doch heute habe ich mich auch der Hitze gebeugt und meinen Rossman-Regenschirm aufgespannt - wie die meisten Touristen um mich herum auch.
Heute war ein interessanter Tag: In unseren Gruppenreiseplan ist eine dreitägige Schiffsfahrt auf dem Yangtze eingeplant, und heute verbrachten wir den ersten Tag auf der "*****Victoria Jenna". Wer jetzt denkt "wow, 5 Sterne!", der denkt was wir alle dachten, und wir wurden alle herbe enttäuscht. In Europa würde das Schiff vermutlich 3 Sterne bekommen, denn kein Fünf-Sterne-Schiff hat einen super dreckigen Kabinenboden und Möbel die aussehen, als hätte die Katze meines Onkels (ich nenne sie liebevoll "Miststück aus der Hölle") ihre Krallen daran geschärft. Naja. Ich schweife ab.
Das Schiff fährt den Yangtze hinauf und hält dabei mehrmals pro Tag, um Touristengruppen zu lokalen Sehenswürdigkeiten gelangen zu lassen. Diese Sehenswürdigkeiten waren heute unter anderem eine ziemlich coole Häuseransammlung, die den Touristen ein idyllisches kleines Dorf einer chinesischen Minderheit mit Lebensgewohnheiten von vor 500 Jahren vorgaukeln soll. Das muss man sich so vorstellen: Man kommt mit diesem Schiff dort an, und das erste was man sieht, sind Fressstände. Naja, das ist hier irgendwie normal. Als nächstes hört man irgendwelche Ureinwohnergesänge aus einem Lautsprecher schallen, die irgendwie eher nach Afrika passen, und dann sieht man einen kleinen Flusslauf, wo mittendrin ein Boot schwimmt. Auf diesem Bot sitzt eine Frau, die einfach super klischeehaft ein rotes chinesisches Kleid trägt und einen von diesen Papierschirmchen. Damit macht sie dann lustige Gesten und wird dazu von einem Flötenspieler begleitet - und das alles nur, um den Touristen ein gutes Bild zum Knipsen zu geben.
Während man dann den Flusslauf in sengender Hitze und bei unmenschlicher Luftfeuchtigkeit hochstiefelt, stehen immer mal wieder solche Bildfüller rum, die in irgendwelchen Pavillions chinesische Instrumente spielen oder sich verträumt die Haare kämmen. Und die Touristen, hochrot im Gesicht und mit dem Taschentuch sich den Schweiß wegwischend, wechseln das Objektiv ihrer High-Tech-Kamera und knipsen fröhlich weiter.
Aber auch wenn ich das hier so negativ beschreibe, es war einfach super: Die Landschaft ist atemberaubend schön, dieser kleine Fluss ist einfach zu idyllisch, und die Pavillions - auch wenn jeder weiß dass es nur Touristenfänger sind - passen doch perfekt in die Umgebung. Und auch die Frau mit dem Papierschirmchen macht sich einfach gut auf meinen Fotos. Ja, ich bin Tourist. :D
Die Natur hatte auch einiges zu bieten: In der Dropbox findet ihr irgendwann Bilder von Krebsen, Eidechsen und Affen, doch die wirklich riesigen Schmetterlinge und Libellen wollten sich einfach nicht fotografieren lassen. Die Spinnen wollte ich nicht fotografieren. ;-)
Nach der ersten Exkursion ging die zweite gleich los (naja, zuerst wurde geduscht), und die entpuppte sich für mich als überhitzte Enttäuschung: Der Drei-Schluchten-Staudamm (zur Info: Der "größte" Staudamm der Welt, weder der längste noch der höchste, aber der, in dem am meisten Beton verbaut wurde) ist in meinen Augen einfach nur das - ein Staudamm. Er ist verdammt groß, aber das ist es dann auch. Fand ich wirklich langweilig und den Besuch würde ich nicht weiterempfehlen. Zum Glück ist auch der jetzt vorbei, und nun sitze ich (nachdem ich erneut geduscht habe) in meiner Kabine und werde gleich diesen Beitrag online stellen.
Morgen wird gechillt, und danach... mal sehen :-)
Ihr werdet von mir hören!
Liebe Grüße,
Luxemburgerli
Dann wisst ihr, wo ich bin. ;-)
Um es zusammenzufassen: Die letzten Tage waren heiß, sehr heiß. Mit unserem Touri-Bus düsten wir von einer Sehenswürdigkeit zur Nächsten, und jedes Mal wenn wir aus dem angenehm heruntergekülten Bus ausstiegen, liefen wir gegen eine Hitzewand, die man förmlich sehen konnte. Der Schweiß floss in Strömen, und es gab nichts was wir hätten tun können, außer sich einen Fächer zu kaufen und den Bus herbeizusehen. Die meisten Chinesen rennen bei diesen Temperaturen übrigens mit Regen-, ähm Verzeihung, ich meine Sonnenschirm durch die Gegend. Zu Anfang hielt ich das für skurril und übertrieben, doch heute habe ich mich auch der Hitze gebeugt und meinen Rossman-Regenschirm aufgespannt - wie die meisten Touristen um mich herum auch.
Heute war ein interessanter Tag: In unseren Gruppenreiseplan ist eine dreitägige Schiffsfahrt auf dem Yangtze eingeplant, und heute verbrachten wir den ersten Tag auf der "*****Victoria Jenna". Wer jetzt denkt "wow, 5 Sterne!", der denkt was wir alle dachten, und wir wurden alle herbe enttäuscht. In Europa würde das Schiff vermutlich 3 Sterne bekommen, denn kein Fünf-Sterne-Schiff hat einen super dreckigen Kabinenboden und Möbel die aussehen, als hätte die Katze meines Onkels (ich nenne sie liebevoll "Miststück aus der Hölle") ihre Krallen daran geschärft. Naja. Ich schweife ab.
Das Schiff fährt den Yangtze hinauf und hält dabei mehrmals pro Tag, um Touristengruppen zu lokalen Sehenswürdigkeiten gelangen zu lassen. Diese Sehenswürdigkeiten waren heute unter anderem eine ziemlich coole Häuseransammlung, die den Touristen ein idyllisches kleines Dorf einer chinesischen Minderheit mit Lebensgewohnheiten von vor 500 Jahren vorgaukeln soll. Das muss man sich so vorstellen: Man kommt mit diesem Schiff dort an, und das erste was man sieht, sind Fressstände. Naja, das ist hier irgendwie normal. Als nächstes hört man irgendwelche Ureinwohnergesänge aus einem Lautsprecher schallen, die irgendwie eher nach Afrika passen, und dann sieht man einen kleinen Flusslauf, wo mittendrin ein Boot schwimmt. Auf diesem Bot sitzt eine Frau, die einfach super klischeehaft ein rotes chinesisches Kleid trägt und einen von diesen Papierschirmchen. Damit macht sie dann lustige Gesten und wird dazu von einem Flötenspieler begleitet - und das alles nur, um den Touristen ein gutes Bild zum Knipsen zu geben.
Während man dann den Flusslauf in sengender Hitze und bei unmenschlicher Luftfeuchtigkeit hochstiefelt, stehen immer mal wieder solche Bildfüller rum, die in irgendwelchen Pavillions chinesische Instrumente spielen oder sich verträumt die Haare kämmen. Und die Touristen, hochrot im Gesicht und mit dem Taschentuch sich den Schweiß wegwischend, wechseln das Objektiv ihrer High-Tech-Kamera und knipsen fröhlich weiter.
Aber auch wenn ich das hier so negativ beschreibe, es war einfach super: Die Landschaft ist atemberaubend schön, dieser kleine Fluss ist einfach zu idyllisch, und die Pavillions - auch wenn jeder weiß dass es nur Touristenfänger sind - passen doch perfekt in die Umgebung. Und auch die Frau mit dem Papierschirmchen macht sich einfach gut auf meinen Fotos. Ja, ich bin Tourist. :D
Die Natur hatte auch einiges zu bieten: In der Dropbox findet ihr irgendwann Bilder von Krebsen, Eidechsen und Affen, doch die wirklich riesigen Schmetterlinge und Libellen wollten sich einfach nicht fotografieren lassen. Die Spinnen wollte ich nicht fotografieren. ;-)
Nach der ersten Exkursion ging die zweite gleich los (naja, zuerst wurde geduscht), und die entpuppte sich für mich als überhitzte Enttäuschung: Der Drei-Schluchten-Staudamm (zur Info: Der "größte" Staudamm der Welt, weder der längste noch der höchste, aber der, in dem am meisten Beton verbaut wurde) ist in meinen Augen einfach nur das - ein Staudamm. Er ist verdammt groß, aber das ist es dann auch. Fand ich wirklich langweilig und den Besuch würde ich nicht weiterempfehlen. Zum Glück ist auch der jetzt vorbei, und nun sitze ich (nachdem ich erneut geduscht habe) in meiner Kabine und werde gleich diesen Beitrag online stellen.
Morgen wird gechillt, und danach... mal sehen :-)
Ihr werdet von mir hören!
Liebe Grüße,
Luxemburgerli
Luxemburgerli - 8. August, 12:08
Danny (Gast) - 9. August, 15:00
Also mir hätte der Staudamm sicherlich gefallen ;o) - hier sind es übrigens erfrischende 25 Grad gerade auf meiner Terasse.
antworten
Lauritz (Gast) - 9. August, 19:33
Bring mir sonen Fluss und ein Haus mit..
und einen dieser Berge :D
und einen dieser Berge :D
Bastian B. - 10. August, 00:25
Und mir eine Packung heiße Luft, bitte ;)
Sabrina (Gast) - 10. August, 01:21
UND MIR:
Einen wundervollen Fächer (wie lange will ich schon einen haben - deutlich vor Speyer jedenfalls :D )
BÜDDDDE!
Will die Klischee-Touribilder auch sehen, obwohl ich schon eine ganz gute Vorstellung habe :)
Ich hätte Beton auch stinklangweilig gefunden ^^ aber nun wenn man alles gesehen hat, kann man umfassende Auskünfte geben über das, was sich wirklich lohnt.
Einen wundervollen Fächer (wie lange will ich schon einen haben - deutlich vor Speyer jedenfalls :D )
BÜDDDDE!
Will die Klischee-Touribilder auch sehen, obwohl ich schon eine ganz gute Vorstellung habe :)
Ich hätte Beton auch stinklangweilig gefunden ^^ aber nun wenn man alles gesehen hat, kann man umfassende Auskünfte geben über das, was sich wirklich lohnt.
Anja (Gast) - 11. August, 19:57
Toll, dass du so fleißig schreibst und dass es dir gut geht!!
Ich glaub, ich hätte den Staudamm auch interessant gefunden - wir haben uns letztens im Sauerland ne kleine Talsperre angeschaut, deren Sperrmauer war schon sehr beeindruckend! Und die ist von 1909 und eben eine der kleineren da.
Das mit dem Touriprogramm find ich auch gut - irgendwie isses zwar doof, aber man sieht eben doch genau das, was einen interessiert und hat am Ende schöne Fotos.
Bin schon gespannt auf deine nächsten Geschichten :)
Ich glaub, ich hätte den Staudamm auch interessant gefunden - wir haben uns letztens im Sauerland ne kleine Talsperre angeschaut, deren Sperrmauer war schon sehr beeindruckend! Und die ist von 1909 und eben eine der kleineren da.
Das mit dem Touriprogramm find ich auch gut - irgendwie isses zwar doof, aber man sieht eben doch genau das, was einen interessiert und hat am Ende schöne Fotos.
Bin schon gespannt auf deine nächsten Geschichten :)
Jonas (Gast) - 12. August, 12:33
Super cool und genau so, wie ich China in Erinnerung habe: Tolle Landschaften und schön viele Touristenfänger an jeder Ecke :D Besonders gut fand ich immer die, die so ungefähr einfach alles auf einmal im Angebot haben (die hab ich übrigens zum ersten, aber definitiv nicht zum letzten Mal auf der Nanjing Lu getroffen):
Typ: "Hello, hello, Sir! Eat? Drink?"
Ich: "Bu yao, xiexie (Nein, danke)."
Typ: "T-Shirts? Shoes??"
Ich: "Bu (Nein)."
Typ: "Watches?? Massage?? Ladies?!?"
... Gut, letzteres werden sie dir wohl eher nicht anbieten, aber da finden sie dann schon was anderes, sie haben offensichtlich genug Optionen :D
Freu mich schon auf den nächsten Bericht! :)
Typ: "Hello, hello, Sir! Eat? Drink?"
Ich: "Bu yao, xiexie (Nein, danke)."
Typ: "T-Shirts? Shoes??"
Ich: "Bu (Nein)."
Typ: "Watches?? Massage?? Ladies?!?"
... Gut, letzteres werden sie dir wohl eher nicht anbieten, aber da finden sie dann schon was anderes, sie haben offensichtlich genug Optionen :D
Freu mich schon auf den nächsten Bericht! :)
Luxemburgerli - 12. August, 13:16
Haha, das ist mir ähnlich passiert. Ich laufe durch die Straße, und eine ältere Frau quatscht mich an: "Hello-Fans!" Dabei wedelt sie mit Fächern in der Luft herum. Ich laufe einfach weiter, die Dame neben mir her: "Hellofanshellofanshellofans!". So ging das ca 100 Meter, dann hat sie aufgegeben :D
Ich glaube die konnte nur ein englisches Wort: "Hellofans".
Ich glaube die konnte nur ein englisches Wort: "Hellofans".
