Montag, 30. September 2013

Urlaub und KTV

Es ist die erste Oktoberwoche, und das bedeutet, dass in China gefeiert wird: Denn der erste Oktober ist der chinesische Nationalfeiertag, und im Gegensatz zu Deutschland hat dieser Tag hier eine etwas größere Bedeutung: Alle Chinesen feiern diesen Tag mit ihrer Familie und bekommen dazu eine Woche lang frei - klingt verlockend, ist in der Realität allerdings etwas nervenaufreibend. Ihr wisst doch, wie der Feiertagsverkehr in Deutschland so ist? Und jetzt stellt euch das noch mal mit der chinesischen Einwohnerzahl vor. Der Supermarkt war heute ungefähr dreimal so voll wie sonst, und das scheint nur die Spitze vom Eisberg zu sein: Dummerweise plane ich einen Kurztrip nach Hangzhou ziemlich kurzfristig, und ich habe heute geschätzte 20 Hostels angerufen und nach einem Zimmer für eine einzige Nacht gefragt. Ursprünglich hatte ich zwei Nächte geplant, aber da hatte ich erst recht keine Chance... Und ob ich ein Zugticket bekomme ist auch eher fraglich :D
Die Leute an meiner Universität, die ja sonst eher arbeitswütig sind, haben die Ferienwoche auch angemessen eingeläutet: Unser Institut lud zu einem gemeinsamen Mittagessen ein, um die neuen Studenten willkommen zu heißen. Insgesamt waren ca. 40 Leute da, davon 4-5 neue Studenten. Der Rest waren größtenteils ältere Studenten. Wir wurden auf 4 Tische verteilt, und das Essen war großartig. Wie für Shanghai typisch wurden jede Menge Meerestiere aufgetischt: Fisch, Hummer, Muscheln und diverse andere Sachen, die einfach viel zu gut geschmeckt haben. Zwischendurch sind dann immer kleine Gruppen von Studenten aufgestanden, sind zu ihrem Professor hinübergedackelt, und haben mit ihm ein Glas Bier auf Ex getrunken. Dann sind sie zurück an ihren eigenen Tisch. Kein Wunder, dass in relativ kurzer Zeit die meisten Leute ziemlich angetrunken waren ;-) Ich wurde zu Anfang noch in Ruhe gelassen, doch je mehr Bier sie getrunken hatten, desto mehr wurden sie der Meinung, dass ich als Deutsche auch mehr Bier trinken muss - dazu muss ich sagen, dass das chinesische Bier wirklich sehr süffig schmeckt und sich um einiges besser "runterkippen" lässt als das deutsche Bier. Und dabei haben wir sogar das einzige chinesische Bier getrunken, das (mehr oder weniger) nach deutschen Maßstäben gebraut wird, namens Tsingtao Bier. Zur Erklärung: Dieses Bier kommt aus der Stadts Qingdao, welche früher ein wichtiger deutscher Kolonial-Stützpunkt war. Die vielen Deutschen dort wollten natürlich nicht auf ihr Bier verzichten und gründeten so eine Brauerei die "deutsches" Bier herstellte und welche noch heute existiert. So, genug kluggeschissen.
Auf jeden Fall wollten diese Studenten dann auf einmal alle Deutsch lernen und alle furchtbar viel mit mir reden, was sie davor an der Uni irgendwie nie tun wollten - was Alkohol alles anstellen kann ;-) ICh wurde also irgendwie zur lokalen Attraktion, und sie nahmen mich nach dem Mittagessen noch mit zum KTV.
KTV ist eine tolle Sache. Man bucht einen Raum, in dem meistens ein großes fettes Sofa steht und ein großer Fernseher oder sogar eine Leinwand. Und dann wird Karaoke gesungen. Das läuft im Prinzip ähnlich ab wie bei uns in Deutschland, doch es gibt schon einige Besonderheiten: Während es uns nämlich normalerweise völlig egal ist ob wir gut oder schlecht sind und welche Lieder wir singen, spielt es dort eine essentielle Rolle: Die Leute üben regelrecht vorher zuhause ein paar bestimmte Lieder so lange, bis sie sie perfekt singen können - selbst wenn sie eigentlich eine grauenhafte Stimme haben. Diese Lieder werden dann vor den Freunden präsentiert, und wehe man versingt sich nur einmal, dann ist alles im Eimer. Nach dieser "Angeberunde" wird es dann eher so wie bei uns. Man singt irgendwelche Lieder und die dann auch wirklich schlecht. Auch um einiges schlechter als bei uns, denn dieses KTV ist um einges schwieriger als Singstar: Man hat nicht diese hübschen Balken, die einem anzeigen ob man zu hoch oder zu tief singt, und die Gesangsstimme wurde rausgeschnitten. Mann muss also hundertprozentig die Melodie selbst kennen, wenn es gut klingen soll - man kann sich an rein gar nichts orientieren. Einsätze werden zwar vorgegeben, aber auch nicht so eindeutig wie bei uns. Es ist daher also kein Wunder, dass es irgendwie scheiße klingt. Und dazu wird man noch mit seiner eigenen Stimme beschallt, man hört also zum ersten Mal mehr oder weniger wie man selbst für die anderen klingt, und man hört jeden kleinen Versinger tausendfach verstärkt. Im Prinzip kann man sich nur blamieren ;-)
Während alle anderen ihre chinesischen Songs sangen, wurde ich quasi dazu genötigt, englische Lieder zu singen, und jedes Mal wenn ich sang, wurden alle ganz still und hörten mir andächtig zu. Nicht etwas weil es gut klang (es klang so ziemlich alles nach Katzenmusik) sondern eher wegen dem "Wow, sie singt auf Englisch!"-Effekt, oder ich weiß es auch nicht so genau :D Es war ohne Zweifel sehr amüsant. Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit, meine Kollegen etwas besser kennenzulernen, und sie entpuppten sich als unglaublich nett. Seitdem finde ich es zum ersten Mal schade, dass mein Praktikum schon in zwei Wochen beendet ist. Aber dafür sehe ich euch dann ja bald alle wieder! :-)
Liebe Grüße aus dem 28°C warmen Shanghai,
Luxemburgerli
Jonas (Gast) - 3. Oktober, 07:49

Oh, KTV :) Das haben wir damals zu meinem Geburtstag gemacht und steht jetzt auch noch auf unserer Liste. Falls wir es nicht schaffen bis Shanghai, kannst du uns ja dann zu einer guten Karaokebar führen ;)

Liebe Grüße von allen aus Chongqing, der Stadt, die bei Nacht toll aussieht und bei Tag im Dreck und Nebel versinkt :P Hier macht sich die "Golden Week" auch schon ganz gut bemerkbar. Immerhin haben wir noch vier Zugtickets nach Chengdu für heute Abend bekommen, aber spätestens in Leshan üermorgen wird's lustig. Das wird ein ordentliches Gedränge am Holzbuddha...

Jonas (Gast) - 5. Oktober, 17:45

Und es WAR ein ordentliches Gedränge: Der "Giant Buddha" ist riesig groß, und oben an der Klippe drängelten sich mehrere hundert Leute, nur, um ein, zwei Fotos von dem gigantischen Teil zu machen (wir natürlich mitten drin :D). Was wir uns aber nicht angetan haben, war die Schlange zu der Treppe, über die man an den Fuß des Buddhas kommt. Da muss man sich anstellen, wenn man ihn von unten sehen möchte: Da war die Schlange so lang, dass die Leute sicherlich 2 bis 3 Stunden stehen mussten, um die Chance auf Buddhazehen aus der Nähe zu bekommen.

Jetzt sind wir am Berg Emei und hier geht es eigentlich. Es ist schon recht voll, aber hält sich noch in Grenzen. Vermutlich ist die "Golden Week" schon wieder am Abklingen... Ist übrigens echt schön hier! Schöne Wanderwege über die Berge und durch Schluchten, natürlich viele Tempel, und ein Affe hat mich in die Hand gebissen. :D
Jonas (Gast) - 5. Oktober, 17:50

Übrigens komme ich schon am Donnerstag, den 10. nachts in Shanghai an. Schick mir doch vielleicht mal per Mail deine Metrohaltestelle und die Adresse gleich mit, falls ich ein Taxi brauche ;) Freu mich schon!

Luxemburgerli

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Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober, 12:56

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